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GIM
Gruppe Internationale Marxisten
 


 
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Daten

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  Daten oben
   
Gründung:
 
Vorstand:
 
 
Pfingsten 1969 (2b)
 
Stand 8.6.1979
 
Zentralkomitee: Herwarth Achterberg, Peter Bartelheimer,
      Christian Dettmann, Hermann Dirkes, Thiess Gleiss
Organisationssekretär: Werner Hülsberg
 
      Siegfried Kreischer, Frieder Mühleisen,
      Ingo Speidel, Wienfried Wolf, Helmut Wendler
 
(1)  
 
  Auflösung:
 
Mitgliederzahl:
4./5.10.1985 Fusion mit KPD zur VSP (4)
 
1976: 300 (eigene Ang.), 600 (Verfassungsschutzbericht) (2c)

  Gliederung oben
 

 
Anm.: Die GIM bzw. die RKJ hatten keine Landesverbände. Neben dem Zentralkomitee bestanden die Organisationen aus Ortsgruppen sowie, zumindest zeitweilig, einigen Stützpunkten (1b,2c).
 
Stand 29.5.1971
 
min. 16 Gruppen, min. 8 Stützpunkte (RKJ)
 
 
Stand 30.10.1971
 
min. 20 Gruppen (RKJ)
 
 
Stand März 1976
 
min. 32 Ortsgruppen
 
 
Stand 17.6.1977
 
min. 24 Ortsgruppen
 
 
Stand 9.6.1979
 
min. 26 Ortsgruppen
 
 
Stand 2.2.1980
 
min. 23 Ortsgruppen
 
 
(2c)

 

  Parteitage oben
   
u.a.
 
Pfingsten 1969
Frühsommer 1970
 
 
 
Gründung in (2)
1. ordentl. Nationale Konferenz (2c)
 
 

  Wahlteilnahmen oben
   
soweit ermittelt:
 
 
3.10.1976 Bundestagswahl
 
Erststimmen: 2037 (0,005%)
Zweitstimmen: 4759 (0,013%) (3e)
    Landeslisten in Baden-Württemberg, Hamburg u. Nordrhein-Westfalen (3c)
 
 
10.3.1985 Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Kreuzberg
 
indirekt: 2 GIM-Mitglieder kandidieren auf der Liste der AL; eines wird gewählt (3c, 5b/S.4)
 
 

  Geschichte oben
 

 
Die Gruppe Internationale Marxisten (GIM) entstand 1969 als deutsche Sektion der 1938 ins Leben gerufenen IV. Internationale. Die Programmatik der GIM basierte auf den Ideen des russischen/sowjetischen Politikers und Revolutionärs Leo Trotzkis (bürgerlich Lew Dawidowitsch Bronstein [3).
Vor der Gründung der Partei hatten die deutschen Anhänger Trotzkis seit den 1950er Jahren versucht durch Eintritte vornehmlich in die SPD diese zu unterwandern. Dadurch verpaßten sie hingegen die Möglichkeit der Herausbildung einer profilscharfen, eigenständigen Organisation. Der Zug der aufkommenden Studentenbewegung in den sechziger Jahren fuhr dann nahezu ohne die Trotzkisten ab. Mit der Bildung der Großen Koalition aus CDU und SPD im Dezember 1966 (3b) entwickelten sich die Sozialdemokraten aus ihrer Sicht zudem in die falsche Richtung.
Im Herbst 1967 erklärte das Vereinigte Sekretariat der IV. Internationale schließlich eine teilweise Abkehr von der Unterwanderungstaktik (Entrismus). Endgültig zu Grabe getragen wurde sie mit dem IX. Weltkongreß 1969.
Zu dieser Zeit gliederten sich die deutschen Trotzkisten in acht Gruppen mit zusammen 50 bis 100 Mitglieder. Über den richtigen Weg zur Aufsagung des Entrismus gab es unterschiedliche Auffassungen; geteilt wurde sie auch nicht von allen. Mit der Gründung der Zeitschrift "Was tun" im Juni 1968 sollte eine "Plattform für die Überleitung möglichst großer Teile der antiautoritären Bewegung in eine revolutionär-marxistische Organisation" kreiert werden, was alsbald scheiterte.
Westberliner Trotzkisten schufen daraufhin im Herbst 1968 einen "Initiativausschuß für eine revolutionäre Jugendorganisation", der später unter der Bezeichnung "Spartacus" firmierte. Ziel dieser "eigenmächtigen Gründung" sollte u. a. die Nötigung der deutschen Sektion zur Ausweitung des Spartacus auf die gesamte Bundesrepublik, die "revolutionäre Jugendorganisation" das Fundament zur Bildung einer Partei sein.
Jene, die darin eine Zentralisierung der deutschen Sektion sahen, bildeten als Spaltprodukt zu Pfingsten 1969 die Gruppe Internationale Marxisten. Der andere Teil nannte sich "Internationale Kommunisten Deutschlands" (IKD), die der gesamten IV. Internationale vorwarfen "von der proletarischen Klassenlinie" abgewichen zu sein. Infolge dessen erkannte ihr Vereinigtes Sekretariat der GIM fortan den Status ihrer deutschen Sektion zu.
Stand man bislang, im Gegensatz zur IKD, der Aufkündigung des Entrismus zum Teil halbherzig gegenüber, tat die GIM es der IKD nun gleich. So wurde von ihr am 5./6. September 1970 eine eigene Jugendvereinigung mit der Bezeichnung "Revolutionär-Kommunistische Jugend" (RKJ) aus der Taufe gehoben. Anders als die IKD bemühte sich die RKJ die "studentischen Interessen ernst zu nehmen". Auf der 2. Nationalen Konferenz (Anm.: So etwas wie ein Bundesparteitag) im Herbst 1972 traten allerdings schon die ersten Meinungsverschiedenheiten über die Stellung des RKJ auf. Sah die eine Fraktion die Gründung der Jugendorganisation als einen Fehler an und forderte eine umgehende Eingliederung in die GIM, stand die andere einer Verschmelzung grundsätzlich zwar nicht entgegen, wollte aber die Eigenständigkeit der RKJ zumindest übergangsweise beibehalten. Ende 1972/Anfang 1973 wurde das Zusammengehen schließlich vollzogen. Begünstigt wurde dieser Schritt durch den Konkurrenzdruck neu entstandener kommunistischer Parteien, die eine Bündelung der Kräfte als ratsam erschienen ließen. Zu diesem Zeitpunkt bestand die RKJ aus annähernd 30 Gruppen mit total rund 400 Mitgliedern.
Nach einer Konsolidierungsphase zwischen 1973 und '76, die u. a. gekennzeichnet war durch

  • das verstärkte Bemühen einer tieferen Verwurzelung in Gewerkschaften und Betrieben,
  • die Umstellung auf eine wöchentliche Erscheinung der Zeitschrift "Was tun",
  • die Teilnahme an der Bundestagswahl 1976 mit drei Landeslisten sowie 12 Wahlkreisen, (1972 rief die GIM zur Wahlenthaltung; zwischen 1972 und '76 zu einigen vorangegangenen Landtagswahlen verschiedentlich zur Wahl der KPD oder des KBW [Kommunistischer Bund Westdeutschland]; nach heftigen Kontroversen zur Wahl der SPD zur Bundestagswahl 1980 auf (2); ebenso zur Bundestagswahl 1983 [4].),

    setzte ein Abwärtstrend der Partei ein. Das Aufkommen der Bunten, Alternativen und Grünen Listen sowie das Erstarkung der Frauenbewegung gepaart mit kritischen Stimmen gegenüber diesen neuen Gruppierungen ließen Mitglieder und Unterstützer abwandern; die Auflagenzahl der Zeitschrift sank. Auch konnte die Gruppe Internationale Marxisten ihren Einfluß in der Arbeiterschaft nicht wie erhofft ausweiten.
     
    In der Folgezeit bildeten sich innerhalb der GIM Gruppen wie

  • die "Proletarische Fraktion", die den "Aufbau von funktionsfähigen Kollektiven in Großbetrieben" forderte, entgegen der bisherigen Vorrangstellung von "linken Gewerkschaftstendenzen",
  • die Sozialistische Alternative, welche nach einer die Linken überspannenden Dachorganisation strebte,
  • eine dritte Strömung, die die Leitungsgruppe zu einer intensiveren "Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit" verpflichten wollte.

    All dieses schwächte die Partei weiter. Auf der Nationalen Konferenz im Juni 1979 setzte sich die "dritte Strömung" mit 36 von 69 Delegiertenstimmen durch, wobei die o. g. Verpflichtung auf alle Parteimitglieder ausgedehnt werden sollte. Als Folge dessen verließen viele Mitglieder der "Proletarischen Fraktion" die GIM; 1980 folgte ein Großteil jener, die die Wahlempfehlung für die SPD nicht mittragen wollten (2).
    1982 unterstützte die Gruppe Internationale Marxisten die von den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Karl-Heinz Hansen und Manfred Coppik gegründeten Demokratischen Sozialisten (DS). Mit dem Ausbleiben des Erfolges der DS erlahmte das Engagement der GIM allerdings schon im Folgejahr (4c).
    Bereits 1981 hatte es erste Kooperationen mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD, vormals KPD/ML) sowie dem Bund Westdeutschen Kommunisten (BWK) hinsichtlich einer von der GIM angeregten "Sozialistischen Liste" zur anstehenden Bürgerschaftswahl in Hamburg gegeben. Weiter geführt wurden diese u. a. im Vorfeld der Bundestagswahl 1983. An diesen Bündnisbemühungen, die letztendlich scheiterten, nahm neben den genannten Parteien noch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) teil. Sie, wie auch die GIM, stiegen am Ende aus.
    Dessen ungehindert arbeiteten GIM und KPD beim Kampf um "die 35-Stunden-Woche und beim Marsch gegen Ausländerfeindlichkeit 1984" weiter zusammen. Auch programmatisch kam man sich näher. Innerhalb der KPD bildeten die Gegner*innen der Vereinigungsbemühungen Anfang 1985 die "Marxisten-Leninisten in der KPD". Ende des Jahres verabschiedeten sich rund 100 von ihnen aus der KPD und proklamierten für sich die "richtige KPD" zu sein.
    Im gleichen Jahr bewarben sich zwei GIM-Kandidaten auf der Liste der Alternativen Liste (AL) um Sitze in der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Kreuzberg, wobei ein errungenes Mandat zu Buche schlug. Ansonsten empfahl die Vereinigung zu den weiteren Wahlen 1985 eine Unterstützung der Grünen bzw. Alternativen Liste (3c,4,5b).
    Am 28./29. Juni 1986 beschloß die GIM mit 63 Für-, 15 Gegenstimmen bei zwei Enthaltungen ihre Auflösung und den Zusammenschluß mit der Kommunistischen Partei Deutschlands. 43 GIM-Mitglieder mochten diesen Schritt nicht mitgehen und verließen die Partei in Richtung "Die Grünen". Die Urabstimmung bei der KPD über die Verschmelzung erbrachte eine deutliche Mehrheit von 83% Ja-Stimmen. Am 4./5. Oktober fusionierten GIM und KPD in Dortmund zur "Vereinigten Sozialistischen Partei" (VSP) (4).
    Eines der bekannten GIM-Mitgliederinnen war die spätere Bundesministerin für Gesundheit, Andrea Fischer (von 1998 bis 2001 für Bündnis 90/Die Grünen) (3d).
    Anzumerken wäre noch, daß verglichen mit einigen anderen Parteien mit ähnlicher Programmatik, die Gruppe Internationale Marxisten Minderheitenmeinungen und Fraktionen innerhalb ihrer Organisation tolerierte, was dann allerdings oftmals zu Lähmungen in der Parteiarbeit führte (4d).

  •  

      Periodika oben
       
    soweit ermittelt:
     
     
    was tun
     
    Nr. 1/Juli 1968 (2d) - Nr. 439/9.10.1986 (5)
     
     

     

      Logos/Bilder/Eindrücke oben
       
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    Quellenverzeichnis:
     
    (1) Bundeswahlleiter, Unterlagensammlung der Parteien, Gruppe Internationale Marxisten (GIM), Stand 10.12.1979
    (1b) ebd., Satzung, Abschnitte III, IV u. V
    (2) Peter Brandt/Rudolf Steinke, Gruppe Internationale Marxisten, in: Richard Stöss, Parteienhandbuch, Westdeutscher Verlag, Opladen, Sonderausgabe 1986, S. 1599 ff.
    (2b) ebd., S. 1606
    (2c) ebd., S. 1642
    (2d) ebd., S. 1643
    (3) Wikipedia.de, Leo Trotzki, Stand 13.4.2018
    (3b) ebd., Große Koalition, Stand 24.4.2018
    (3c) ebd., Gruppe Internationale Marxisten, Stand 10.3.2018
    (3d) ebd., ebd. > Kategorie: GIM-Mitglied > Andrea Fischer, Stand 24.4.2014 u. 3.4.2018
    (3e) ebd., Bundestagswahl 1976, Stand 2.4.2018
    (4) Günther Gellrich, Die GIM   Zur Politik und Geschichte der Gruppe Internationale Marxisten 1969 - 1986, Neuer ISP-Verlag, Wissenschaft und Forschung 14, Universität Duisburg 1999, ISBN 3-929 008-14-9, S. 71ff.
    (4b) ebd., S. 26
    (4c) ebd., S. 33f.
    (4d) ebd., S. 76
    (5) jeweilige Zeitschrift "Was tun", Nachlaß Jakob Moneta, (im HA)
    (5b) ebd., Nr. 399 vom 14.2.1985, S. 3: "Gegen Kohl und Flick stimmen", S. 4: "Wahlaufruf der GIM-Westberlin"
     

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